Blogschau: Hassmartin, Twitter-Pöbel und die Blog-Reaktionen

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Stefan Niggemeier erklärt, was sich Samstagnacht in der ProSiebensendung „Schlag den Raab“ abspielte: „Selten hat das Publikum einem Kandidaten seinen Gewinn so sehr missgönnt wie diesem. Hans-Martin Schulze, ein 24-jähriger Pharmazie-Praktikant aus Oldenburg, ist seit dieser Nacht um eine halbe Million Euro reicher. Er musste dafür nicht nur den Raab, sondern auch das Publikum schlagen. Am Ende, als er mit verzerrtem Gesicht und einem Triumphschrei den Geldkoffer in die Höhe streckte, buhten sie ihn hemmungslos aus.“
schlag-den-raab

Philipp Ostrop beschreibt jedoch, was sich zeitgleich im Web abspielte: „Am Samstagabend konnten deutsche Internetnutzer jedoch beobachten, wie dieser Schwarm über ein einzelnes Opfer herfiel. Man konnte live dabei sein, wie sich die Zuschauer der Pro7-Sendung „Schlag den Raab“ an einem grenzenlosen Massen-Mobbing im Internet beteiligten. Alle gegen den Kandidaten Hans-Martin, der in der Sendung in mehreren Spielen gegen Raab antrat und der Mehrzahl der Zuschauer (auch mir persönlich) höchst unsympathisch war.“ Weiter schreibt er: „Was jedoch in den sozialen Netzwerken abging, glich fast einem virtuellen Pogrom – einer Massenausschreitung, die nicht gegen eine Minderheit, sondern gegen eine einzelne Person gerichtet war. In der Anonymität der Masse schaukelten sich die öffentlichen Demütigungen und Beschimpfungen hoch. Der Schwarm ersann mit den Mitteln des Web 2.0 immer neue Mobbing-Methoden.“

Unter dem Hashtag #Hassmartin wurde der Kandidat via Twitter auf das übelste beleidigt. Das nennen von Beispielen spare ich mir. Die kann jeder selbst nachlesen.

Aber auch andere Sociale Netzwerke musste für die Wut über den Kandidaten herhalten. Sowohl bei StudiVZ, wie auch bei Facebook entstanden eigenen Hassmartin-Gruppen.

Angesichts der Hass-Gruppen fragt Daniel Langwasser völlig zurecht: „Wo war bzw. wo ist eigentlich das Community Management? Ich vermute im mehr oder weniger wohlverdienten Wochenende… Wie kann es sein, dass bis zum jetzigen Zeitpunk die beiden genannten Gruppen immer noch existieren? Garniert mit beleidigenden Kommentaren der übelsten Sorte und natürlich auch mit wenig schmeichelhaften Fotos des Kandidaten Hans-Martin.“

Richard Gutjahr betrachtet die Diskussion aus einem anderen Winkel: „Raab teilt mehr Eigenschaften mit dem Kandidaten, als gestern rüberkam. Eigenschaften, ohne die er nicht die TV-Karriere hingelegt hätte, die er gemacht hat: Raabs ungebremster Ehrgeiz und seine fehlende Scheu, sich öffentlich auch immer wieder zum Affen zu machen. Raab hatte, wie schon Stefan Niggemeier bei faz.net schreibt einen entscheidenden Vorteil: er weiß, wann er sich zu bremsen hat. Er kennt die Gesetze des Fernsehens und versteht, wie das Publikum tickt. Der Moderator hat an den richtigen Stellen die Klappe gehalten, den Kandidaten damit ins offene Messer laufen lassen. Was wiederum viel über den Erfinder der Show aussagt.“

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13 Antworten
  1. Sabrina Panknin
    Sabrina Panknin says:

    Liebe Blog-Leser,

    aufmerksamen Lesern wird nicht entgangen sein, dass ein Kommentar weniger unter dem Artikel steht. ethority lässt Beschimpfungen und Drohungen nicht durchgehen und hat den Kommentar von Anonymus gelöscht.

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  2. Chrischii
    Chrischii says:

    @kritischer Leser

    Ich mach ihm da keinen wirklichen Vorwurf, glaube aber auch, dass Raab solch einen Charakter nicht besitzt. Raab ist einfach enorm ehrgeizig was sowas angeht, Hans-Martin war einfach zu überheblich, arrogant und zeigte einfach nicht die „Mentalität“ Underdog, die die Zuschauer von einem Kandidaten erwarten. Es ist/war seine Art, nun muss er damit leben. Durch den TV-Total Auftritt gestern wird die Sache wohl eh bald vorbei sein…

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  3. sirex79
    sirex79 says:

    Dass sich in Verhalten die Beiden ähneln, liegt wohl auf der Hand. Aaaber: Man darf nicht vergessen, dass es sich bei Stefan Raab um einen bekannten Moderator handelt, an dessen Sprüche und Ausrutscher sich das Publikum gewöhnt hat. Ob man Raab mag oder nicht, aber er ist Raab. Er hat Raab selbst erfunden.

    Jetzt versuchte Hans-Martin sich auf gleiche Stufe, wie Raab zu stellen, um nicht unter zu gehen und genau das hat das Publikum nicht verstanden. Hans-Martin ist eben nicht so vogelfrei, wie es Raab zugeschrieben wird.

    Für Raab ist es normal, dass er pöbelt. Nur was bildete sich Hans-Martin ein? Das er die Show macht? Schön blöd!

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  4. Digitalpublic
    Digitalpublic says:

    Könnte es nicht sein, dass die Redaktion schon ein- oder zweimal so eine Sendung begleitet hat, und darauf achtet, auch evt. Skandalnudeln bzw. polarisierende Personen aktiv in das Board der Kandidaten zu hieven. Könnte es wirklich sein, dass es kein Zufall war, was da passierte? Es ist immerhin denkbar, das Fernsehen zu einem nicht geringen Anteil eine fiktionale und manipulierte Parallelwelt darstellt.
    Ich weiß wohl, dass dieses Medium vielen als Realitätsabgleich dient, aber vllt. ist es an dieser Stelle untauglich.

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  5. lorenz
    lorenz says:

    Jeder der sich bei einer solchen Sendung bewirbt muss damit rechnen in die Schlagzeilen zu kommen. Egal ob positiv oder negativ.
    Wenn jemand mit der Öffentlichkeit ein problem hat sollte er sich von diesem TV-Format fern halten.

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  6. b. Schaefer
    b. Schaefer says:

    Also vielleicht lehne ich mich da ja jetzt etwas weit aus dem Fenster, aber mir kam es ja fast schon so vor, als hätte der Moderator (k.A. wie der heißt) schon während der Sendung angefangen den Jungen zu mobben! Die haben schon während der Sendung Stimmungsmachen gegen Hans-Martin betrieben. Wie gesagt, ich persönlich halte von ihm rein menschlich nicht besonders viel, dennoch fand ich es auch ziemlich heftig, als ich gestern sogar in den Pro 7 News nen Bericht mit dem Titel „Gewinner und Verlierer“ über den ach so bösen Hans-Martin sah. Ich finde da schießt auch Pro 7 ordentlich übers Ziel hinaus und macht absichtlich Stimmung gegen nen 24 Jährigen, der das erste mal derart in der Öffentlichkeit stand. Das steht denen einfach nicht zu.

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  7. kritischer Leser
    kritischer Leser says:

    @Chrischii: Ja, Raab als Medienprofi weiß, wo die Grenzen sind, Hans-Martin, als Nicht-Medienprofi und zufällig mal in der Öffentlichkeit stehende Privatperson, nicht. Und deswegen macht man ihm nun einen Vorwurf?

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  8. Chrischii
    Chrischii says:

    @b. Schaefer
    Der Unterschied, den Stefan Niggemeier schon angesprochen hat, ist der, dass Raab als Medienprofi sicherlich weiß, wo die Grenzen und ein Ende ist. Hans-Martin leider nicht. Und ehrlich gesagt habe ich Raab nie gesehen, wie er einen Kandidaten bei SDR bei einer falschen Antwort auslacht, siehe Hans-Martin bei dieser EM-Frage. Raab wäre nie so extrem, auch beim Diskuswerfen, dafür ist er wirklich genug Sportsmann. btw: http://www.hassmartin.de ist mittlerweile online, möchte aber nicht „bashen“, sondern die Macht von Social Media mittlerweile zeigen und die Ereignisse nochmal zusammenfassen.

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  9. b. Schaefer
    b. Schaefer says:

    Ich persönlich empfand Martin zwar nicht als sonderlich sympathisch, aber ehrlicher Weise, ist der Raab auch keinen Deut besser. Ganz im Gegenteil, ich fand er hat es verdient mal an jemanden zu geraten, der genau so ein Großmaul ist wie er selbst es ist und ihn dann auch noch schlägt.

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  1. […] Blogschau: Hassmartin, Twitter-Pöbel und die Blog-Reaktionen | ethority weblog sagt: 13. September 2009 um 18:24 […]

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