Wie relevant ist Twitter tatsächlich?

By Alexander Becker
In März 3, 2014

Eine alte Diskussion nimmt wieder Fahrt auf: Wie wichtig ist Twitter tatsächlich im Social-Web? Die Skeptiker verweisen immer wieder darauf, dass der Zwitscher-Dienst noch immer ausschließlich von einer kleinen, aber extrem Web-affinen Gruppe von Medienschaffenden, Werbern etc. genutzt werden würde. Den Otto-Normal-Surfer, den Marketers mit ihren Social-Web-Kampagnen vor allem ansprechen wollen, würde man via 140 Zeichen gar nicht erreichen.

Frisches Zahlenfutter bekommen die Pessimisten nun vom Netzökonom serviert. Holger Schmidt berichtet von einer Analyse von Peerreach. Der Dienstleister hatte sich einmal alle Daten angesehen, die durch twitters System rauschen. Demnach haben sich bis Januar 2014 920 Millionen Menschen beim US-Dienst angemeldet, von denen wiederum 122 Millionen im Monat und 41 Millionen täglich aktiv sind. „‚Aktivität‘ bedeutet nicht den Besuch der Seite, sondern das Schreiben eines Tweets. Twitter selbst hatte zuletzt von gut 240 Millionen aktiven Nutzern im Monat berichtet, was aber auch die nur lesenden Nutzer einbezieht“ schreibt Schmidt. „Das bedeutet: Jeder siebte Nutzer, der sich bei Twitter angemeldet hat, ist also noch aktiver Schreiber; etwa jeder Vierte nutzt die Seite noch.“

Twitter-Nutzer in deutscher Sprache

Auch für Deutschland nennt er Zahlen. Demnach sind hierzulande 8,9 Millionen beim Microblogging-Dienst angemeldet, von denen im Januar noch 1,4 Millionen als aktive Schreiber gelten dürften. Schmidt sagt also: „70 bis 80 Prozent der Twitter-Nutzer springen wieder ab.“

Hoffnungen machen dabei allerdings neue Zahlen aus den USA. Laut eMarketer wird Twitter bei den älteren Nutzern immer beliebter. Diese Gruppe ist bekanntermaßen wesentlich träger und mit einer höheren Marken-Loyalität ausgestattet. Sind diese Nutzer erst einmal überzeugt, bleibt sie viel länger bei der Stange, als die sprunghaften Jüngeren.

2 Comments

  1. Die 160 Zeichen einer SMS hatten noch einen sachlichen Hintergrund. Die 140 Zeichen von Twitter sollten – so ist bis heute meine Meinung – einfach nur kürzer sein als eine SMS und damit suggerieren, dass es hier schneller und kompakter zugeht. Und so ist Twitter einfach zu kurz geraten.

    Das Problem verschwindet auch nicht, wenn man die Nutzer verstärkt Bilder oder Kurzvideos versenden lassen will, denn die Sichtbarkeit eines Tweets ist kurz, umso kürzer je mehr Sendern gefolgt wird und garnicht gegeben, wenn man nur selten seine Timeline liest.

    Auf absehbare Zeit wird Twitter aus meiner Sicht jenen Unternehmen Dienste leisten können, die ein ganz klares inhaltliches Profil für ihren Twitter-Stream vorweisen können und ggf. mehrere Inhaltskanäle betreiben. Wie schwer es ist dabei Spin-Offs zu kreieren zeigt Lufthansa. Die stellt seit Monaten Routen die nicht nach Frankfurt und München führen auf Germanwings um, aber von den 147.000 Followern des deutschsprachigen LH-Accounts ist Germanwings mit 18.500 Followern noch weit entfernt.

    Zweifelsohne ist Twitter gut geeignet, wenn es um das VIP- oder Star-Marketing geht. Hier stehen Spass oder Links im Vordergrund und es können von Gaga, Biber, Messi, Podolski & Co leicht große Mengen an Fans erreicht und (ein)gebunden werden, ohne dass alle immer alles empfangen müssen.

    Twitter schreibt aber bisher nur Verluste und kann außer Werbung keine vernünftigen Perspektiven für Gewinne bieten. Gleichzeitig aber wurden schon viele Kunden an Inaktivität verloren, weil der Kurznachrichtendienst eben nicht kurz, einfach und übersichtlich ist. Folglich hat Twitter selbst als Login-Service im Vergleich zu Facebook, LinkedIn oder Google+ wenig Bedeutung. Und so bleibe ich persönlich kritisch was die langfristige Entwicklung von Twitter betrifft.

  2. So ein Schmarn. Es verlangt ja auch niemand, dass ich Pro7 eine Mail schicke, dass ich gerade deren Werbung gesehen habe.
    Ich höre sogar Radio obwohl ich noch keine einzige Radiowelle selbst in den Äther geschickt habe.

    Ggf. würde es mehr Sinn machen wie viele User t.co – Links geklickt haben oder wie viele Clients sich mit Twitter verbunden haben + den Zugriffszahlen auf der WebSite.

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