Krisen-PR: Amazon startet Logistik-Blog

By Alexander Becker
In Dezember 26, 2013

Ab jetzt wird zurückgebloggt: Seit Wochen beherrscht die Gewerkschaft Verdi mit seiner Kampagne die Berichterstattung über Amazon. Wie neue Zahlen belegen, tat das offenbar dem wirtschaftlichen Erfolg im Weihnachtsgeschäft keinen Abbruch, doch mittelfristig dürfte der US-Company die öffentliche Wahrnehmung der Marke wohl nicht gänzlich egal sein.

Eine koordinierte Antwort auf die schlechte Publicity, zu der sogar auch ein negativer Stern-Titel gehörte, fehlte bislang – zumindest wirkte es so. Wenn sich der Amazon-Chef zu den Vorwürfen äußerte, dann nur in der Bild mit dürren Antworten. Zudem startete die US-Company eine Image-Kampagne. Doch wie Nachhaltig ein paar Spots in Funk und Fernsehen tatsächlich wirken, bleibt abzuwarten.

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Viel spannender ist dagegen der Umstand, dass sich der Versand-Gigant selbst bewegt. Zwar nicht in den Gesprächen mit Verdi, aber in seiner gesamten Kommunikation. Den Anfeindungen entgegnen die US-Amerikaner jetzt mit einer recht subtilen, smarten und möglicherweise nachhaltigen Blog-Strategie.

So startete Amazon ein Logistikblog. In dem Blog sollen Mitarbeiter ihre Sicht der Dinge über die Arbeits- und Tarifbedingungen bei der US-Company darstellen.

Akutelle Inhalte sind kleine Imagefilme von Angestellten, die erklären, warum sie für Amazon arbeiten oder auch ein Posting, dass über eine Unterschriften-Aktion berichtet, bei der sich „Mitarbeiter aus den Amazon-Logistikzentren von den Zielen, Argumenten und Äußerungen der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di“ distanzieren. Mittlerweile sollen mehr 1.000 Unterschriften in den deutschen Niederlassungen zustande gekommen sein. Eine News, die es bislang tatsächlich nicht in die Wahrnehmung der meisten Medien schaffte.

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In der Frage über Sinn und Unsinn der Idee hinter dem Mitarbeiterblog sei noch einmal an die Günther Jauch-Sendung erinnert, in der es um Amazon ging. Kein Manager des Web-Versenders traute sich ins ARD-Studio. Dafür war ein Betriebsrat da, der sich zwar auch kritisch mit seinem Arbeitgeber auseinandersetzt, aber weitestgehend positiv und vor allem differenziert über seinen Brötchengeber berichtete. Damit tat mehr für den Ruf der US-Amerikaner, als viele teure TV-Spots.

Folgt man diesen Erfahrungen, dann könnte sich das neue Blog noch zu einer höchst effektiven Krisen-PR-Waffe und Image-Gewinn-Maschine entwickeln.

2 Comments

  1. Pingback: Blogkritik: Das Amazon-Logistikblog

  2. Ihnen ist aber schon aufgefallen, dass das Blog nicht erst seit Dezember dieses Jahres besteht, oder?

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