Der Pressevertrieb als neue Spielwiese für Big Data

By Alexander Becker
In Dezember 16, 2013

Die Idee ist so einfach wie überzeugend. In einem Gastkommentar bei Horizont.net fordert IDG-Vorstand York von Heimburg, dass endlich Big Data zur Vertriebssteuerung eingesetzt wird.

Ein Schritt, der tatsächlich sehr viel Sinn ergeben würde. Das aktuelle System funktioniert noch so: Ein Grossist beliefert einen Kiosk mit einer bestimmten Menge von Magazinen. Je nach Erscheinungsweise der Publikation holt der Grossist die alten, nicht verkauften, Ausgaben wieder ab und ersetzt diese durch die neusten Nummern des Titels. Die Folge: Heute werden mehr Magazine weggeschmissen, als verkauft.

Das Problem der Verlage und der Grossisten. Sie müssen so viele – oftmals gar nicht benötigten – Hefte ausliefern, weil sie nicht wissen, wo gerade der Leserbedarf an einem bestimmten Titelthema besonders groß ist. Genau diese Frage ließe sich mit klassischen Big Data-Modellen beantworten.

„Es gibt innovative Software-Unternehmen, die mittels umfassender Analysen von historischen und aktuellen Zahlen Datenmuster sichtbar machen und diese zu selbstlernenden Systemen (analog zu den neuronalen Systemen) entwickeln. Diese meistens sehr dynamischen und innovativen Unternehmen beschäftigen sehr viele Physiker und Mathematiker“, schreibt von Heimburg. „Auf der Basis dieser grundlegend neuen Erkenntnisse können die deutschen Medienhäuser die Auflagenplanung und Auslieferung ihrer Zeitschriften deutlich wirtschaftlicher gestalten“.

Gerade vor wenigen Wochen hatten wir über einen Zeit-Artikel berichtet, der über einige Praxisbeispiele für Big Data in deutschen Handelskonzernen berichtet. Dort wird unter anderem beschrieben wie Otto die Möglichkeiten der Analyse großer Datenmengen nutzt. Die Hamburger verbesserten mithilfe einer Spezialsoftware die Bedarfsplanung. Das Projekt beschränkte sich dabei nicht auf eine Produktgattung, sondern umfasste das gesamte Sortiment. „Nach eigenen Angaben füttert das Unternehmen seine Software pro Woche mit 300 Millionen Datensätzen – und erstellt übers Jahr eine Milliarde Prognosen, wie sich der Absatz einzelner Artikel in den folgenden Tagen und Wochen entwickeln wird“, berichtet die Zeit. Die Folgen der Computer-Berechnungen sind beeindruckend. So soll Otto durchschnittlich 30 Prozent weniger Ware als zuvor ordern, was zu weniger überschüssiger Ware in den Lagern führt und somit Einsparungen in zweistelliger Millionenhöhe bringt.

Genau solch eine Lösung schwebt dem IDG-Boss vor. Wenn Deutschland tatsächlich seine weltweite Spitzenposition im Presse-Vertrieb behalten will, sollten sich die Grossisten und zuständigen Verlagsmanager tatsächlich einige Gedanken über den sinnvollen Einsatz von Big Data-Systemen machen.

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