Fahndung nach Kriminellen in sozialen Netzwerken: Wo sind die Grenzen?

By ethority - social media intelligence team
In November 21, 2012

Die Polizei Hannover hat es vorgemacht und damit eine Trendwelle ausgelöst: Kriminalverbrechen über Facebook zu lösen. Junge Menschen sind über soziale Netzwerke besser zu erreichen als über Zeitungen – dafür spricht auch die Fanbase der Facebook-Seite der Polizei Hannover mit über 110.000 Fans. Dort werden Strafdelikte gepostet und mit der offiziellen Fahndungsseite der Polizei Hannover verlinkt. Dabei ist zu beachten, dass die Kommentarfunktion von Facebook für Fahndungshinweise nicht genutzt werden soll und darf. Ein Erfolg ist durchaus zu verzeichnen: in sechs Monaten wurden acht Straftaten mithilfe von Facebook aufgeklärt. Das gefällt, daran kann man arbeiten. So oder so ähnlich denkt Hessens Justizminister Jörg-Uwe Hahn von der FDP und möchte Facebook zukünftig noch stärker in Fahndungen einbauen. Doch wo Licht ist, ist bekanntlich auch Schatten. Erwartungsgemäß schreien Datenschützer auf: Was passiert, wenn fälschlicherweise Fahndungshinweise veröffentlicht werden, die die soziale Stellung eines Menschen immens schädigen können? Einmal im Netz, immer im Netz.
Facebook-Fahndung
Um Hahns Forderung gerecht zu werden, muss folgender Gesetzesabschnitt geändert werden: „Um die Aufmerksamkeit der Internetnutzer für die Öffentlichkeitsfahndung zu erlangen, ist es zweckmäßig, die staatlichen Fahndungsaufrufe im Internet auf speziellen Seiten – etwa der Polizei – zu bündeln. Private Internetanbieter sollen grundsätzlich nicht eingeschaltet werden.“ (RiStBV, Anlage B, Absatz 3.2)
Dazu wurde vor wenigen Tagen in Berlin eine Justizministerkonferenz einberufen, in der geklärt werden sollte, wie weit die Polizeiarbeit in sozialen Netzwerken gehen darf. Ein Urteil ist noch nicht gefallen, jedoch wurde beschlossen, das Thema stärker zu beleuchten als bisher. Zu überprüfen ist, inwieweit Datenschutz und Menschenrecht mit Facebook-Fahndungen vereinbar sind.
Ein Thema, das Grundsatzdiskussionen auslöst. Die hohe Reichweite und das Engagement der Nutzer im größten sozialen Netzwerk sind für sich sprechende Argumente. Aber welche Negativfolgen kann das Ganze haben? Was passiert, wenn jemand zu Unrecht einer Straftat beschuldigt wird? So wie im März 2012: ein 17-Jähriger wurde des Mordes an der elfjährigen Lena in Emden beschuldigt, war jedoch unschuldig. Im Internet kursierten zu der Zeit bereits Lynchaufrufe gegen den mutmaßlichen Täter. Solche Anschuldigungen können bei Betroffenen immense psychische Probleme auslösen; hinzu kommen soziale und berufliche Reputationsschädigungen. Somit stehen sich zwei schwerwiegende Faktoren gegenüber: Das Wohl der Gesellschaft durch das Aufklären von Verbrechen und die Moral gegenüber Individuen, die unter Umständen zu Unrecht an den Pranger gestellt werden. Nun bleibt abzuwarten, was die Richter als schützenswerter erachten.

1 Comments

  1. Also meiner Meinung kann man auf der Fanpage der Polizei Hannover sehr wohl kommentieren…
    Ich finde aber auch, dass öffentliche Fahndungen bei facebook die Angst der Nutzer vor Reputationsschädigung oder Shitstorm noch verstärken wird. Dann sogar berechtigter Weise.

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