Beachtet mich! Oder: Das Kaufen privater Reichweite auf Facebook

By ethority - social media intelligence team
In Oktober 23, 2012

Für viele ist der Begriff nichts Neues: Der Facebook Edge Rank. Dabei handelt es sich um einen von Facebook entwickelten Algorithmus, der die Relevanz von Beiträgen bestimmt und somit ihre Position im Newsfeed der User festlegt. Dabei werden drei Faktoren herangezogen: Affinität (die Beziehung zwischen einem Nutzer zu einem Facebook-Freund oder einer Fanpage), Gewichtung (Art des Inhaltes, z.B. ob es ein Foto oder ein Video ist) und Aktualität (Zeitpunkt, an dem der Beitrag veröffentlicht wird).

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Seit dem 20. September 2012 stehen diese drei Maße nicht mehr im Mittelpunkt des Edge Ranks. Nun können sich neben Unternehmen auch Privatpersonen eine gute Position ihrer Beiträge erkaufen – und verdrängen somit „normale“ Beiträge aus dem Newsfeed ihrer Freunde. Die Rede ist von Sponsored Postings.

Doch wie wichtig sind Sponsored Postings für den Privatnutzer? Möchte ein Nutzer sichergehen, dass sein Beitrag, zum Beispiel die frohe Kunde einer Geburt oder ein Autoverkauf, eine hohe Reichweite besitzt, so wird er zur Kasse gebeten. Das Ziel des sozialen Netzwerkes – die grenzenlose Kommunikation – wird folglich ad absurdum geführt. Diese Art der Kommerzialisierung privaten Informationsflusses könnte schon fast als Selbstwerbung bezeichnet werden. Nicht meine Freunde bewerten mich als unwichtig, sondern ein neuer Algorithmus – aber meine Wichtigkeit ist käuflich.

Thomas Hutter vertritt eine kontroverse Meinung zu dem Thema: Er beschwert sich über das „Gejammer“ und spricht von einer „Verlagerung der Sichtbarkeit“ von Beiträgen. Facebook bleibe kostenlos und biete immer noch die Möglichkeit, alle Statusupdates auf den jeweiligen Seiten abzurufen – nur im Newsfeed würde nicht mehr alles erscheinen. Besonders emotional äußert er sich zum Thema „belangloser Inhalte“, die sowieso kein Mensch sehen wollte – und bei besseren Inhalten könne man nun halt nachhelfen. Das Team von Social Punk betrachtet den Sachverhalt etwas differenzierter: Ja, ein Edge Rank ist sinnvoll. Aber ist es gerechtfertigt, wenn tatsächlich wertvolle Inhalte zugunsten bezahlter Beiträge abgewertet werden? Die Autoren stellen zu Recht die Frage, ob ein Algorithmus das Recht oder die Fähigkeit hat, einen Beitrag als unwichtig einzustufen und ins Nirwana des Newsfeeds zu verbannen. Diese Verteilung der Edge Ranks erinnere eher an Zensur. Social Punk schlägt eine neue Fläche oberhalb des Newsfeeds vor, ähnlich wie bei Google: So könnten bezahlte Beiträge angezeigt werden, ohne sich in den Updates „vorzudrängeln“.

Was soll man nun als privater Nutzer des Netzwerks von dieser Neuerung halten? Von einem emotionalen Standpunkt aus betrachtet ist diese Kommerzialisierung extrem unattraktiv und ein potentieller User-Schreck. Gut informierte und ernsthaft verärgerte User könnten nun das Netzwerk verlassen. Tut das einem Unternehmen mit Monopolstellung und 1 Milliarde Fans wirklich weh? Höchstwahrscheinlich nicht. Allerdings sollte es auf seiner Startseite nicht mehr so freizügig mit folgenden Worten werben:

kostenlos

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