Mehrheit der deutschen Unternehmen schippert planlos in den Shitstorm

By Alexander Becker
In August 21, 2012

In der Offline-Welt ist es gerade sonnig und heiß. In der Online-Welt dagegen sehr stürmisch. Dieser August wird als Shitstorm-Sommer in die noch jungen Web-Annalen eingehen. Ob McDonald’s, Galileo und viele andere Unternehmen. Sie alle hatten in den vergangen Wochen bereits mit massiven Nutzer-Protesten bei Facebook zu kämpfen.

Der Job, den die Kommunikationsabteilungen in den jeweiligen Krisen ablieferten, schwankte von gut bis unprofessionell. Nach einer neuen Studie des Branchenverbandes Bitkom dürfte sogar die Mehrheit der deutschen Firmen bereits von einem moderaten Beschwerdesturm überfordert sein. So kam die Analyse zu dem Ergebnis, dass nur 42 Prozent der befragten Unternehmen über einen Facebook-Krisenplan verfügen. Bei der Mehrheit von 45 Prozent ist das nicht der Fall.

Die Untersuchung basiert auf der Befragung von 172 Unternehmen der IT-Branche. „Organisationen sollten strukturell und personell auf einen Shitstorm vorbereitet sein, sonst droht ihnen erheblicher Schaden für Image und Reputation“, sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder. Nach den Ergebnissen der Umfrage nutzen derzeit 60 Prozent der IT-Unternehmen Facebook für die Kommunikation mit Kunden und anderen Interessensgruppen.

Allerdings haben ein Viertel der Unternehmen mit einer Facebook-Präsenz noch nicht einmal einen festen Mitarbeiter, der sich um die Seiten kümmert. Bei 29 Prozent ist ein Mitarbeiter für den Facebook-Auftritt zuständig, bei 41 Prozent sind es zwei oder mehr.

Auch in Sachen Reaktionszeit haben viele Firmen noch einen massiven Nachholbedarf. Laut Umfrage gibt es nur bei 37 Prozent der befragten Unternehmen feste Vorgaben, innerhalb welcher Zeit auf Beiträge von Nutzern reagiert werden soll, bei 50 Prozent ist das nicht der Fall. Unter den Unternehmen mit einer Zeitvorgabe gilt bei 29 Prozent eine Reaktionszeit von 6 Stunden und bei 21 Prozent von 12 Stunden. Bei 50 Prozent sind sogar Reaktionszeiten von 24 Stunden oder länger vorgegeben, was im Fall einer Krise oft zu lang ist.

Grundsätzlich scheinen einige Unternehmen noch gar nicht verstanden zu haben, dass es im Social Web um Kommunikation geht und Facebook & Co. nicht einfach ein weiterer Kanal für ihre Company-Mitteilungen ist. So stimmten nur etwas mehr als die Hälfte der Befragten (53 Prozent) der Aussage zu, dass „der Dialog mit den Nutzern bei Facebook ein zentraler Bestanteil der Kommunikation“ ist. „Dagegen stimmen 69 Prozent der Aussage zu, dass es ihnen auf Facebook in erster Linie darum geht, Informationen zu verbreiten. Und 54 Prozent der Befragten meinen, dass ein Shitstorm auf Facebook keine ernste Gefahr für die Reputation des Unternehmens darstellt“, heißt es in der Studie.

Diese Ergebnisse zeigen eindeutig: Es gibt noch immer mehr als genug Companys, die das Social Web mit seinen Chancen, Risiken und Funktionsweisen noch gar nicht verstanden haben.

0 Comments

  1. schippert – es heißt schippert 🙂

    1. Danke für den Hinweis. Wurde korrigiert.

      Mathias vom ethority-Team

Leave A Comment