Neue Social Media-Presseschau: Darüber spricht das Web

By Alexander Becker
In August 3, 2012

Vorbildlicher Social Media-Einsatz bei Sueddeutsche.de: Die Online-Redaktion der SZ startet das wohl innovativste Facebook/Twitter-Tool in Sachen Nachrichtenjournalismus der letzten Monate. Denn endlich zeigt ein News-Angebot den Mut, der zu einer konsequenten Nutzung der Möglichkeiten des Social Webs gehört und verlinkt – ganz im Sinne der Leser – offen und massiv auf Konkurrenz-Angebote.

Die Münchner erweitern dazu ihr Angebot, das bereits heute an prominenter Stelle auf die Storys verweist, die bei Facebook und Twitter am häufigsten geteilt werden. Unter SZ.de/leserempfehlen zeigt Sueddeutsche.de jetzt allerdings nicht mehr nur die eigenen Top-Seller im Social Web, sondern auch die aktuell beliebtesten Geschichten von allen anderen wichtigen Qualitätsmedien.

Süddeutsche.de

Etwas verschwurbelt hört das neue Angebot auf den Namen „digitale Presseschau“. Tatsächlich bietet das Tool eine wunderbare schnelle Übersicht, worüber das deutsche Web gerade spricht.

„Für das Angebot analysieren wir alle Leserempfehlungen auf großen Nachrichtenseiten und werten aus, welche Texte die meisten Likes und Tweets bekommen – binnen 24 Stunden, einer Woche oder eines Monats“, erklärt Chefredakteur Stefan Plöchinger. Darüber hinaus zeigt die Livetrend-Ansicht, welche Artikel zurzeit gerade am häufigsten empfohlen werden. Errechnet wird dieser Wert laut SZ aus dem Zuwachs innerhalb der vergangenen Stunden.

„Ursprünglich hatten wir die Idee zu dem Angebot, weil wir in der Redaktion neue Themen unserer Lieblingsseiten schneller mitbekommen wollten. Doch dann stand schnell die Frage im Raum: Wieso sollten wir Ihnen, unseren Lesern, diese Presseschau eigentlich vorenthalten?“, erklärt Plöchinger weiter.

Tatsächlich verlinken deutsche Nachrichtenseiten viel zu selten auf die Konkurrenz. „Wir sollten dafür sorgen, dass Sie als Leser guten Journalismus im Netz finden, ob bei uns oder anderswo. Auch wenn es in den oft alarmistischen deutschen Internetrecht-Debatten manchmal anders argumentiert wird: Das Netz und damit auch wir als Seite leben vom Verlinken und Verlinktwerden, vom Empfehlen toller Texte, kurz, von offenem Journalismus, wie es Vordenker Alan Rusbridger vom britischen Guardian nennt.“

Recht hat Plöchinger. Tatsächlich zieht Sueddeutsche.de mit diesem Schritt einfach nur einen Schritt nach, den viele erfolgreiche Social Media-Strategien schon länger umsetzen. Wer auf bessere Quellen bzw. informativere Inhalte verlinkt, verliert den Nutzer nicht. Im Gegenteil er kommt viel häufiger wieder. Denn er weiß: Hier werde ich ernstgenommen und bekomme den besten Content. Denn darum geht es vor allem im Social Web: um zufriedene Kunden bzw. Leser.

Ein toller Nebeneffekt: Auf einen Blick lässt sich erfassen, welches deutsche Angebot wirklich erfolgreich im Social Web ist. Eine kurze Auswertung zeigt: Spiegel Online führt vor taz.de.

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