Social Media Kommunikations-Strategie: Die neue Relevanz der Nachhaltigkeit

By Sten Franke
In Juni 28, 2012

In einem langen Text beschwert sich Thilo Specht, dass die meisten Social Media-Strategien überwiegend auf einer Kundenbetreuung in Echtzeit basieren. 24/7 ist das Zauberwort, dem die gesamte Unternehmens-Kommunikation untergeordnet werde.

„Kommunikation im Netz wird zunehmend als ein Haufen stark fragmentierter Versatzstücke aufgefasst. Die scheinbar einzige Struktur in diesem Chaos bildet die Zeit – und, der Informatik sei Dank, die Echtzeit“, schreibt Specht. Weiter sagt er: „Dass heutige Technologien und Medienformate immer stärker ohne langwierige Verarbeitungsprozesse auskommen ist toll. Die Fixierung auf diese – alles andere als neue – Geschwindigkeit und die Erhöhung eines rein technologischen Begriffs der Echtzeit zur Maxime der Kommunikation lässt jedoch den Schluss zu, dass Social Media – fuck, wir nennen es Internet – tatsächlich dazu beitragen, auch unsere Denkprozesse enorm zu verkürzen.“

Statt Kommunikation in Echtzeit fordert er mehr Reflexion. Die Unternehmen sollen lieber später und dafür substantieller antworten. Heißt: Die Social Media Manager sollen sich in ihrer täglichen Arbeit um mehr Nachhaltigkeit bemühen.

Mit dieser Argumentation befindet sich Specht im gewissen Sinne im Zeitgeist. So entdeckt die Welt am Sonntag großflächig die neue Volkskrankheit Datenstress. Denn in einer Umfrage der WamS gaben immerhin 35 Prozent aller Befragten an, dass E-Mail, Handy und Co. für mehr Stress sorgen würden.

Welt-Grafik

Obwohl viele Jüngere die neuen Kommunikation als Bereicherung sehen, setzten immer mehr Unternehmen ihren Mitarbeitern enge Grenzen, was E-Mails & Co. in der Freizeit betrifft. So gibt es bei der Telekom 2010 eine Selbstverpflichtung; in der es heißt „Außerhalb der Arbeitszeit wird grundsätzlich nicht erwartet, dass mobile Arbeitsmittel dienstlich benutzt werden.“

Die Firmen selbst verlangen also von ihren Angestellten, dass sie nicht ständig 24/7 zu erreichen sind. Welche Auswirkungen das auf die Kommunikation der Companys hat, lässt sich heute noch nicht abschätzten. Noch ist nicht ganz klar, ob sich dieser Trend verschärft oder wieder abschwächt.

Tatsächlich hat die Echtzeitkommunikation den Nachteil, dass all zu oft Banalitäten gepostet werden oder reine Produkt- und Preiskommunikation betrieben wird, die kaum Mehrwert für den Fan oder Follower bietet. Um eine qualitativ hochwertige thematische Bespielung der Social Media Kanäle abzusichern, sollten sich Redakteure und Community Manger im Vorfeld zu Redaktionssitzungen zusammenfinden und einen abwechslungsreichen und attraktiven Redaktionsplan entwickeln. Für Projekte im Bereich Branded Entertainment hat uns beispielsweise die Zusammenarbeit mit Radio-Redakteuren sehr viel gebracht, um spannende und attraktive Redaktionspläne bzw. Inhalte für Branded Channels zu entwickeln. Dadurch konnten wir den Conversational Score (Interaktionsrate) und die Eigendynamik der Community hinsichtlich der Sharings von Postings im eigenen Freundeskreis enorm steigern, was einen überproportionalen organischen Zuwachs an neuen Fans zur Folge hatte.

Eine Social Media Kommunikations-Strategie braucht also tatsächlich ein Mehr an Reflexion, ein Mehr an Substanz und ein Mehr an Verständnis für die große Gruppe der gefühlt unter Datenstress Leidenden. Grundsätzlich sollte sich jeder Social Media-Schaffende stets die Frage stellen: Wie nachhaltig ist das, was ich gerade mache? Denn nur über Nachhaltigkeit ist ein echtes Engagement möglich. Jeder, der sich schon einmal mit Community Management beschäftigt hat, weiß: Nachhaltigkeit gehört zu den Zauberworten. Mittel- bis langfristig schlägt sie sich immer auch ganz konkret in den KPIs nieder – und zwar stets im positiven Sinne.

Leave A Comment