Dank Social Web: 9-Jährige ringt Schulbehörde nieder

By Alexander Becker
In Juni 18, 2012

Auf ein solches Szenario sollte jede Social Media-Strategie eingestellt sein. Denn es kommt immer wieder vor, dass man als Unternehmen nur als Goliath wahrgenommen wird – auch wenn das Social Media-Team manchmal nur aus einem oder anderthalb Personen besteht, das von einem kleinen Blogger-David an den Pranger gestellt wird.

Dieser Fall kann immer eintreten und die richtige Reaktion hängt stets vom Einzelfall ab. Grundsätzlich muss man als erstes immer die Frage stellen: hat der Kritiker recht oder nicht? Wenn nein: Wehren Sie sich. Bleiben Sie freundlich, verbindlich, aber unmissverständlich in der Sache. Anders der Fall, wenn Sie nicht im Recht oder noch schlimmer, wenn Sie juristisch im Recht sind, moralisch aber nicht. Dann bleibt Ihnen oftmals nur eines übrig: Nachgeben!

Martha

Ein wunderbares Beispiel hierfür spielte sich gerade in der schottischen Provinz ab. Die neunjährige Martha Payne aus der Grafschaft Argyll. Seit Anfang Mai hatte die Schülerin damit begonnen, täglich ihr Schulessen abzulichten und das Bild in ihrem Blog zu veröffentlichen. „Sie zählte, wie viele Bissen das Mittagessen dauerte und vergab Punkte auf einer Skala von eins bis zehn dafür, wie gut es ihr schmeckte und wie gesund sie das Gericht fand“, erklärt Spiegel Online. „Besonders zu Beginn war ihre Bilanz ernüchternd: Einmal bestand ihr Mittagessen aus einem kleinen Stück Käsepizza, einer Krokette, etwas Mais und einem Muffin. ‚Ich bin ein wachsendes Kind, und ich muss mich den ganzen Nachmittag konzentrieren. Das schaffe ich nicht mit nur einer Krokette.’

Die Bilder der Mittagsmahlzeiten sahen wirklich nicht appetittlich aus. Das fand auch die Schulbehörde und wollte dem Foto-Spuk, der offenbar sehr schlecht für das Image der Schule war, ein Ende bereiten. Also wurde die Schülerin am Donnerstagmorgen in das Büro ihrer Schulleiterin bestellt und mit einem Fotografieverbot für die Mensa belegt.

Leider hatte Martha zu diesem Zeitpunkt mit ihrem Blog schon fast vier Millionen Leser. Es passierte also, was passieren musste. Der Schlagwort-Mix aus Behörden-Verbot, Transparenz-Fotos, neunjährige Bloggerin und Zensur sorgte für einen webweiten Sturm der Entrüstung.

Das Ende vom Lied: Das Council ruderte zurück. „In dieser Gemeinde hat Zensur nichts zu suchen und wird auch nichts zu suchen haben, solange ich ihr vorstehe“, sagte Gemeinderatschef Roddy McCuish. Er hob das Verbot auf und lobte Martha als „umtriebige und einfallsreiche Schülerin“. Recht hat Mann.

Dank des Social-Webs konnte sich die Schülerin gegen die schier übermächtige Behörde durchsetzten. Vor allem in Moral- und Konsumenten-Fragen sollte man niemals die Macht der Masse unterschätzen.

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