Social Media Fall: Guide Michelin und die Grenzen der Nutzer-Bewertungen

By Sten Franke
In März 12, 2012

Es gehört zu den Standard-Sätzen der 2.0-Revolution, dass die Weisheit der Vielen bzw. User-Generated-Conent fast immer die Arbeit vieler vermeintlicher Profis schlägt. Vor allem was Bewertungen betrifft. Ob nun Hotels, Internet-Shops oder CDs und Technik-Produkte: Alles können die aufgeklärten Web-Nutzer bewerten und kritisieren. Das dies einen besonderen Mehrwert für andere Nutzer liefert, ist längst Konsens.

Mit unseren Gridmaster bieten wir beispielsweise ein Tool an, mit dem sich unter anderen auch die Stimmungen und Meinungen von Nutzerbewertungen analysieren lassen. Ich bin mir also absolut über den immensen Wert von Mundpropaganda und User-Kritiken bewusst.

Michelin
Das neue UGC-Angebot des Guide Michelin

Seit gestern frage ich mich aber, ob Nutzerbewertungen immer der Weisheit letzter Schluss sind. Denn, was ist wenn wir es mit einem Feld zu tun haben, in dem vornehmlich nur echte Experten eine seriösen Bewertung vornehmen können? Die Gourmetküche könnte so ein Fall sein.
Seit kurzen ist es jetzt möglich, dass auf der Webseite des Guide Michelin auch Laien die einzelnen Restaurants in vier Kategorien mit einen bis fünf Punkte bewerten. Das Besondere an dem System von Michelin ist allerdings, dass es 48 Stunden dauert, bis die Gourmet-Redaktion die Bewertungen freischaltet.

Die Wirtschaftswoche berichtet nun: „24 Stunden nachdem in Frankreich die Webseite online gegangen ist, zeigt sich: Die Meinungen gehen weit auseinander. Ob es gewollt bösartige oder nur Spaßeinträge sind – die Bewertungen gehen bei einzelnen Restaurants selbst in der höchsten Kategorie mit drei Sternen, von denen es zehn Restaurants im Postleitzahlbereich 75000 Paris gibt, finden es die einen dort lausig, die anderen großartig. Wem man glauben mag, kann sich der Nutzer dann selber überlegen.“

Der Wiwo-Autor wirft nun die Frage auf, dass diese die „Crux“ und die „Vorzüge dieses Verfahrens“ zeige. Einige Nutzer sind in knappen, wenig erklärenden Worten begeistert und anderen schreiben nur kurz ihre Abneigung nieder. Der Leser kann sich so kaum ein Bild machen. Bei Gourmet-Kritiken ist es wie mit Kunst-Kritiken: Jeder hat seine Meinung, doch eine echte Objektivität ist kaum möglich. Das sollte man tatsächlich vielleicht den Profis überlassen.

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Beispiel für die sehr knappen Nutzer-Kommentare

Andererseits ist die Bewertung von vielen Amateur-Gaumen nicht doch ehrlicher, als von einem verwöhnten Restauranttester, der schon alles geschmeckt hat?

Wie schon gesagt, ich bin mir nicht sicher. Gibt es vielleicht wirklich Gebiete, bei denen der User-Generated-Content und die Weisheit der Vielen an ihre Grenzen stößt und ist die neue Seite von Guide Michelin ein solcher Fall? Was meinen Sie?

PS. Auch in Deutschland will der Guide Michelin bald Nutzerbewertungen zulassen.

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