Web-Experiment: der Duden verschenkt die deutsche Sprache

By Alexander Becker
In Mai 4, 2011

Diese Entscheidung dürfte die deutschen Verlage aufschrecken lassen: Mit einem Schlag blickt die gesamte einheimische Web-Branche auf den Duden-Verlag. Denn das Medienhaus stellt auf seiner Webseite ab sofort sämtliche Inhalte kostenlos zur Verfügung. “Damit füllt der Verlag eine Lücke im Web: Ein seriöses Online-Nachschlagewerk für die deutsche Sprache fehlte bislang”, meint der Branchendienst MEEDIA.

Zum Angebot neuen Angebot gehört eine Definitions-Übersicht, typische Wortverbindungen in Form von Wortwolken, Bilder und Audioangebote zur Aussprache. Zudem können Nutzer ganze Texte mithilfe der Rechtschreibprüfung automatisch korrigieren lassen.

Duden

Mit diesem Angebot dürfte Duden.de sehr schnell ein echter Traffic-Gigant im deutschen Web werden. Doch viele Web- und Verlagsmanager denken sich jetzt: Was haben die sich nur dabei gedacht.

Anstatt für teures Geld, wie das gedruckte Nachschlagewerk verschenkt die Redaktion online nun die deutsche Sprache? So kommentiert Basicthinking-Blogger Jürgen Vielmeier bereits, dass er nun “keinen Grund mehr darin sieht, den gedruckten Duden noch in die Hand zu nehmen”.

Die Idee des Verlages hinter hochgezogenen Bezahlschranke: “Mit unserem Portal kreieren wir neben den Wörterbuchinhalten eine Duden-Markenwelt, in der wir auf unsere gesamten Duden-Markenprodukte aufmerksam machen können”, zitiert Spiegel Online Marion Winkenbach, verlegerische Geschäftsführerin des Dudenverlags. Die von der kostenlosen Rechtschreibsuche angelockten Besucher der Duden-Seite sollen Gefallen an den zahlreichen weiteren Büchern, Lernhilfen und Anwendungen des Verlags finden und diese kaufen.

Ein Konzept, dass Funktionieren könnte. Nur für wie lange?

Denn eines scheint klar: die Besucherzahlen werden explodieren. Der Verlag wird auf der Seite Werbung plazieren und damit gewisse Einnahmen erzielen. Doch reicht das, um die fallenden Buchumsetze aufzufangen?

Die Branche schaut interessiert auf das Duden-Experiment. Und bis zu einer möglichen neuerlichen Konzeptänderung werden viele Blogger und Webworker begeistert das neue Angebot nutzten.

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