Netz-Manipulationen: Warum ferngesteuerte Web-Hypes scheitern müssen

By Alexander Becker
In Februar 22, 2011

Der Traum vieler amoralischer PR-Manager und der Alptraum vieler PR-Watchdogs könnte Wirklichkeit werden: Künftig lassen sich Web-Hypes künstlich und vor allem automatisiert erzeugen. Wie, dass hat eine Programmierer-Gruppe der großen US-Sicherheitsfirma HBGary Federal simuliert. Sie arbeiten an der Entwicklung eines Tools, mit denen sich große Mengen scheinbar echter Accounts in diversen Social Networks fernsteuern lassen. Einziges Ziel: das Erzeugen eines Online-Hype.

Aufgefolgen sind die Planungen der US-Company, die unter anderem für das FBI oder NSA arbeitet, weil ein interner Mail-Verkehr geleakt wurde. In den Mails, ging es laut Meedia darum, gleich eine große Anzahl von “Usern” in Social Networks, der Blogosphäre und mit Foreneinträgen im Web zu etablieren und sie mit Echtnamen auszustatten. Über ein Tool könnten dann Phantom-Nutzer aufgebaut werden, die beispielsweise gegeneinander kommentieren. So könnte die eine Person einen Link zu einer bestimmten Seite, einem bestimmten Video etc. posten, eine andere könnte das Vorgehen harsch kommentieren. So entstünde eine Debatte, bei der der eine User Glaubwürdigkeit verliert, der andere Ansehen gewinnt. Zumindest in den Augen der anderen User. Dass hinter beiden Usern nur eine Maschine steht, die gesteuert Kommentare hinterlässt, ist nicht ersichtlich.”

Die Folge wären unzählige vermeintliche reale Personen, die in Social Networks festgelegte Themen liken und kommentieren würden. Dieses System funktioniert bestimmt prächtig, wenn ein Produkt mit besonders positiven Rezensionen gepusht oder ein Konkurrenz-Produkt mit vermeintlich schlechten User-Meinungen niedergemacht werden soll.

Einen eigenen Web-Hype wird man mit Hilfe dieser automatischen Tool – trotz des anderslautenden Heise.de-Berichtes nicht aufbauen können. Der Grund: Den künstlichen Account fehlt die Reputation und das entsprechende echte Freundenetzwerk. Erst wenn man einer Person in einem Netzwerk vertraut, ist man auch bereit Hinweise, Tipps oder Likes weiter zuverbreiten. Und nur wenn genug Personen einen viralen Trend weitergeben, kann der gewünschte Schneeball-Effekt eintreten.

Zudem sollte man auch bedenken, was passiert, wenn herauskommt, dass ein Web-Hype ferngesteuert wurde. Die Rache des Netz-Community könnte fürchterlich sein. Das musste HBGary Federal gerade am eigenen Leib erfahren. Weil sich der Chef der US-Firma, Aaron Barr, damit brüstete die Hintermänner der Hackergruppe Anonymous enttarnt zu haben, brachen die Hacker in das Firmen-Netzwerk ein und klauten tausende von E-Mails.

Die Anonymous-Gruppe waren während der vergangen Wikileaks-Kontroverse für die für die konzentrierten Angriffe auf die Webseiten von PayPal oder Visa verantwortlich.

Die von Anonymous erbeuten Daten beinhalten nun das interne Material, auf dessen Grundlage nun die Diskussion über die Möglichkeit von ferngesteuerten und automatisieren Web-Hypes geführt wird.

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