Schäuble, Merkel und die neue Web-Öffentlichkeit

By Alexander Becker
In Oktober 25, 2009

Dem Internet gelingt es immer wieder kleine feine Politik-Peinlichkeiten einer breiten Web-Öffentlichkeit zu erschließen. Die Wirkung kann für den betroffenen Politiker verheerend sein.

Ein gutes Beispiel dafür war Guido Westerwelle. Der kurze YouTube-Clip, in dem der FDP-Politiker einem britischen Journalisten, während einer offiziellen Pressekonferenz abkanzelte, weil dieser in Englisch statt in Deutsch eine Frage stellt, wurde zu einem viralen YouTube-Hit und begründet Westerwelles Ruf kein Englisch zu können.

Aktuelles Beispiel dafür ist nun dieser Clip aus der Pressekonferenz, auf der Angela Merkel die neue Koalition vorstellt. Ein Reporter der niederländischen Tageszeitung “De Telegraaf” spricht die Bundeskanzlerin auf die Rolle von Wolfgang Schäuble bei der CDU-Spendenaffäre von 1999/2000 an. Seine Frage: Wie kann es sein, dass ein Mann Finanzminister werden kann, der damals einfach 100.000 DM vergessen hat. „Ganz großes Lob an den Journalisten (bei dem man die Berufsbezeichnung nicht in Anführungszeichen schreiben muss) – solch beißend sarkastisches Nachbohren ist Merkel sichtlich nicht gewohnt“, kommentiert der Einsteller des Clips.

Ich wage die Spekulation: Dieser kurze Film und die daraus resultierende Web-Öffentlichkeit wird Schäuble und Merkel weit mehr Ärger bereiten, als so manch ein kritischer Pressebericht in einer der etablierten Qualitätsmedien.

7 Comments

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  3. Es sind doch merhere Dinge bemerkenswert:

    Erstens muß uns ein niederländischer Journalist vorführen, was Journalismus bedeutet und dass unsere heimischen Schreiberlinge keinen Mut haben, unbequeme, aber richtige Fragen zu stellenn.

    Zweitens ist Schäuble (nicht nur, aber) auch deshalb völlig ungeeignet, das Amt des Finanzministers wahrzunehmen. Man stelle sich doch nur mal vor, die Strafsachenstelle eines Finanzamts kritisiert einen Steuerpflichtigen, der ein paar hundert Euro an Zinseinnahmen nicht angegeben hat. Mit welchem Maßstab soll hier über Vorsatz und Gerechtigkeit “geurteilt” werden, wenn der oberste Finanzbeamte Dreck am Stecken hat ?
    Schäuble ist untragbar!

    Drittens muß eine solche Personalie auch die Frage aufwerfen, ob Frau Merkel so senil ist, einen derart großen Fleck auf Schäubles Weste zu vergessen ? Vielleicht ist sie aber so entscheidungsschwach, dass sie den Nächstbesten genommen hat, weil alle anderen abgewunken haben? Oder Merkel glaubt, sich über alles und allen Anstand hinwegsetzen zu können – vermutlch war es letzteres, denn ihr Verhalten gegenüber dem Journalist war ebenso – eben unverschämt!

  4. Die Merkel muss weg. WIR sind das Volk!

  5. Also, ich halte Schäuble auch nicht für geeignet, wie eigentlich keinen vom Kabinett, die tauschen ihre Ämter durch wie ich die Haribo-Sorte. Das kann nicht (mehr lange) gutgehen.
    Und ich bin mir ziemlich sicher, das jeder von denen schon weit mehr als 100.000 € in sämtlichen Sofa- und Bettritzen vergessen hat, ist ja nicht ihr Geld.

  6. Nein, Herr Schäuble passt hervorragend.
    Herr Steinbrück vergass auch, in den Geschäftsbericht der HRE zu schauen und übersah damit, daß die HRE nicht “15 Milliarden” sondern 100 Milliarden brauchte.
    Das ist schon alles ganz gut überlegt so von Herrn Ackermanns frischen Berliner Gastgebern.
    Auch nicht besonders einfühlsam, wie der holländische Kollege mit einer bewährten FDJ-Funktionärin umgeht.
    Wo soll das hinführen? Zu Eigen-Denken?

  7. Super, der Journalist. Ich bin froh, dass es solche Fragesteller gibt!

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