Und Alle so: Was steckt dahinter?

By ethority - social media intelligence team
In September 18, 2009

Mittlerweile dürfte es jeder, der an irgendeinem Punkt ab und zu Berührung mit Social Media hat, gesehen haben – den folgenden viralen Nachsatz zu einer Wahlkampfankündigung:
Und Alle so "Yeaahh"
Auf den ersten Blick sieht man wieder einmal, wie schnell sich in Social Media Inhalte verbreiten können, die sich von dem üblichen Bilder- und Themenrauschen herausheben und dem Betrachter etwas unerwartetes bringen. Ruckzuck wird dieses Bild auf Twitter verlinkt und schafft es in Blogs wie Spreeblick, Nerdcore oder Pop64 (und natürlich auch auf das ethority-Blog). Von diesen Blogs aus wird das Bild dann noch weiter verlinkt und so entsteht eine erweiterte Reichweite, die die Zahl der ursprünglichen Abrufe des Bildes auf Flickr (bislang 15.255) weit übertreffen. Auch Spiegel Online erwähnt diesen Internet-Mem schon.

Aber die Kreativität der Crowd geht noch weiter. Es entsteht die Idee, bei der angekündigten Wahlkampfveranstaltung einen Flash-Mob zu veranstalten, der jede Aussage mit „Yeaahh!“ kommentiert, in den Kommentaren wird darüber gestritten, ob man das „Yeaahh!“ auch mit nur einem „a“ schreiben darf oder ob das dann nicht mehr das echte „Yeaahh!“ wäre. Ach ja: Und-Alle-so-T-Shirts sowie einen Und-alle-so-Yeaahh-Song gibt es auch schon.

Natürlich zeigt dieser Mem einmal mehr, wie gut sich das Internet für die schnelle Verbreitung (Viralität) von Botschaften eignet. Aber ich finde eigentlich einen anderen Punkt daran sehr viel spannender:

Im Grunde wird hier eine Offline-Kampagne (= Der Nutzerkommentar auf dem Plakat) in ein Online-Medium hinein „verlängert“, wie das Marketingverantwortliche ausdrücken würden. Dabei leuchtet sofort ein, dass der Spruch seine Verbreitung ganz wesentlich dem schnellen Onlinemedium verdankt. Das Plakat ist räumlich gebunden und wird nur von denjenigen Leuten wahrgenommen, die tatsächlich an diesem Ort vorbeikommen. Es ist also stationär und kann nur schwer auf Wanderschaft gehen, allenfalls in der mündlichen Überlieferung: „Ich habe dort ein Plakat gesehen, und da stand …“

Online geht das alles sehr viel schneller und in Gestalt einer digitalen Fotographie dreht sich dieses Bild so schnell durch Deutschland, dass Vilém Flusser dabei schwindlich werden dürfte. Aber es ist eben nicht nur die massenmediale Verbreitung, die zählt. Nein, die Botschaft wird von den Nutzern verändert, sie verwandelt ihre Gestalt, mutiert in immer neue Formen. Der Spruch „und alle so: yeaahh“ wird auf alle möglichen Themen bezogen und nicht nur auf den ursprünglichen Event. So heißt zum Beispiel die hyper-zeitgemäße Gratulation: „…und alle so: Happy Birthday“.

Was an Social Media so faszinierend ist, sind also zwei Dinge, das eine ist die hohe Geschwindigkeit. Ganz gewöhnliche Leute tragen zu einer Verbreitungsgeschwindigkeit bei, die jeden Nachrichtendienst abhängen. Twitter hat mittlerweile Radio, TV und klassische Onlinepublikationen als schnellstes Medium hinter sich gelassen (mit RSSCloud und pubsubhubbub könnten Blogs allerdings noch einmal einen Gang zulegen und zu einem echten Push-Medium werden). Das andere ist aber die hohe Mutationsrate, mit der eine ursprüngliche Botschaft sich immer wieder verändert.

0 Comments

  1. Hallo, was ist das denn für ein zweitklassiger Schulaufsatz? Ich würde sagen – entweder, ihr gebt Euch der spontanen Kraft dieses netten Satzes einfach mal hin – oder aber Ihr analysiert, dann aber richtig! Dieser verklemmte Blog, der nur damit kokettiert, dass er was mitbekommen hat, zeigt wieder einmal. wie spießig die deutsche Szene im Grunde genommen ist.

  2. dieses pseudoanalysieren und rumfabulieren nervt. leute, entspannt euch und nehmt den stock aus dem A****. live for the moment. #yeaahh

  3. Hm.
    Das Plakat selbst fand ich sehr witzig. Und Flashmobs wie den Freezemob im Kieler Hauptbahnhof auch.
    Aber wenns politisch wird, dann hab ich irgendwie ein ganz leises Magengrummeln. Sind diese Leute da, weil eine SocialNetworkCrowd sie dazu aufgerufen hat und es einfach nur Spaß machen soll? Oder werden diese Leute instrumentalisiert von der „anderen Seite“? Denn bemerkenswerterweise wurde dieses „Yeahh“ in meiner Timeline zum größten Teil von aktiven SPD-Wahlkämpfern weitergetwittert.
    Fader Beigeschmack bleibt bei mir, abgesehen davon, dass das drölfundneunzigste „Yeahh!“ in der Timeline nur noch wirkt wie jemand, der einen Witz erklärt, den alle im Raum verstanden haben.

  4. Pingback: Und alle in echt so: “Yeaahh” | bertdesign.de

  5. Und Alle so:“Bla“

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