Amazons PR-Gau: From Hero to Zero?

By Alexander Becker
In April 22, 2009

Zu Beginn seines Aufstieges will jedes junge Web-Unternehmen alles anders machen. Doch ob nun Google, Facebook oder Ebay: Ab einer bestimmten Größe, einem bestimmten Börsenwert und einer bestimmten Marktposition, geht es immer um Macht und Marktanteile. Spätestens dann zeigt sich, dass auch Google oder Ebay irgendwie böse sein können und Entscheidungen treffen, die der Community und den Marken-Fans nicht gefallen.

Amazon galt beim Thema „Irgendwann-wird-jedes-Unternehmen-böse“ immer als Ausnahme – bislang. In der – für Web-Verhältnisse – langen Geschichte des Web-Versenders gab es kaum Fälle, in denen die Company ein Imageproblem gehabt hätte. Vielmehr gilt der Shop mit seinen Millionen von kritischen Kundenrezensionen als einer der Keimzellen des User-Generated-Contents und des Web 2.0.

Doch jetzt leistete sich Amazon gleich zwei PR-Desaster:
1. Amazon zensierte Bücher mit Schwulen-, Lesben- und Transgender-Inhalten. „Bekannt geworden ist das Vorgehen des Internet-Händlers durch einen Blog-Eintrag von Autor Mark Probst, der sein eigenes Buch „The Filly“ in den Bestseller-Listen vermisste. Unter den 57.000 betroffenen Büchern sind auch Werke von Autoren wie Virginia Woolf oder Annie Proulx („Brokeback Mountain“) und Bücher über Gesundheitsthemen“, erklärt Kristina Judith.

2. Amazon verklagt kleines Start-up Amazee
„Der Online-Versandhändler Amazon geht juristisch gegen das Schweizer Start-up Amazee mit der Begründung der Namensähnlichkeit vor. Der Versuch der Schweizer, den Streit außergerichtlich beizulegen, ist zuvor gescheitert. Amazon geht in den USA und der Schweiz vor Gericht“, schreibt MEEDIA.

Allein die Amazee-Klage sorgte für einen Sturm der Entrüstung in der Blogosphäre. Rivva zählte 26 Blog-Einträge zu diesem Fall. Die Konsequenz ist eindeutig. Viel mehr PR-Desaster darf sich Amazon in nächster Zukunft nicht mehr leisten. Sonst gehört Amazon tatsächlich dauerhaft in die Liste der Unternehmen, die irgendwie auch böse sind.

0 Comments

  1. 26 Blogeinträge sind für die Klage ein weltweit agierendes Multimillardendollar-Unternehmen aber nicht sehr viel. Der „Sturm der Entrüstung“ ist, wenn die Zahlen so stimmen, eher ein laues Lüftchen.

    Apropos Zensieren und so. Schon mal bei Amazon ein Sachbuch gesucht, und dazu den Suchbegriff „sachbuch“ verwendet?

  2. Bequeme Menschen kaufen gerne bei amazon, obwohl andere Buchhandlungen sogar mehr Bücher portofrei auf Rechnung liefern: LOB.de etc. Und amazons Marktmacht lässt den Multi inzwischen 57 % Rabatt von Verlagen fordern. Sehr viel mehr als normale Buchhandlungen bekommen. Unsere Buchhandlungen müssen schließen, unsere Städte werden ärmer. Die Macht des Warenkorbs – auch eine Entscheidung über unsere Umwelt…
    Bernd (Buchhändler im Web seit 1993)

  3. Ich erinnere mich an ein paar Uni-Vorlesungen… 2000 war da schon mal was mit Amazon. Es ging um Preisdiskriminierung via dynamic pricing, was aber vehement dementiert wurde:

    http://www.washingtonpost.com/ac2/wp-dyn/A15159-2000Sep25

  4. Na, da ist noch ein kleines Desasterchen. Noch nicht mitbekommen? Einfach mal „PC vernetzen“ in die Suche auf Amazon.de eingeben.

  5. Gibt es denn schon eine Online-Liste mit den „Most-Evil Online Enterprises“?

    Wenn nicht, wird es mal Zeit. Denke damit kann man je nach Bekanntheitsgrad eine Menge bewegen.

    Schöner Beitrag.

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