Power Shift – BestBuy lebt Social Media

By ethority - social media intelligence team
In Februar 15, 2009

Es gibt viele Arten wie ein Unternehmen sich in Social Media präsentiert bzw. wie diese Medien für Unternehmenszwecke genutzt werden können. Einige Beispiele hierfür sind die Kunden-Community 60 Jahre Volkswagen, das Mitarbeiter Weblog Daimlerblog oder das Customer Weblog Two For Fashion von Otto. Ford Deutschland twittert, Tchibo betreibt Crowdsourcing und BMW nutzt unter anderem einen eigenen YouTube Channel. Was die Breite des Einsatzes von Social Media Plattformen angeht, sind Unternehmen in Deutschland in der Breite gut aufgestellt.

In den USA hat ein Unternehmen nun eine andere Plattform für seine Zwecke entdeckt. BestBuy, die amerikanische Antwort auf Saturn und Media Markt, setzt bei ihrer neusten Social Media Strategie auf schonungslose Transparenz. Das Angebot des Resellers von Unterhaltungselektronik heißt BestBuy Connect und ist ein öffentlich sichtbarer Social Media Aggregator der Social Media Aktivitäten der eigenen Mitarbeiter. Ganz ähnlich wie Mister Wongs Lifestream fasst BestBuy Connect die Social Media Aktivitäten aller in diesem Bereich teilnehmenden Mitarbeiter zusammen. BestBuy nutzt diesen Aggregator nicht zur internen Nutzung, sondern tritt damit an die Öffentlichkeit.
Dawn Bryant erklärt diese Strategie von BestBuy wie folgt:

If people outside of this company could really feel the culture and drive that makes this place what it is, we can strengthen our reputation, goodwill, and ultimately grow our talent and grow the company. The beauty of that is that we didn’t need to create anything new, people are doing it and we don’t want to control it, we simply want to make it easier for the rest of the world to find the energy and human-ness”.

Über diese Einstellung bzw. über die Absicht hinter dem Projekt kann man aus der deutschen Perspektive staunen. Falls die BestBuy diesem Projekt die Stange hält, ist es mit Abstand das mutigste Projekt im Bereich Social Media, das mir bis heute begegnet ist. Lee Oden meint zu dieser Social Media Initiative:

The objective of Best Buy Connect is to showcase the people, behavior and unedited perspectives/ideas of those who power Best Buy. It humanizes the brand, increases accessibility and fuels transparency. This can affect current and future customer perceptions as well as future employees.

Grundsätzlich muss ich Lee Recht geben, aus Sicht des Kunden kann man sich nichts besseren wünschen als eine derartige Transparenz. Doch habe ich Zweifel, ob eine solche schonungslose Offenheit zur Regel wird. Obwohl sich deutsche Unternehmen immer stärker dem Thema Social Media öffnen, ist ein solches Projekt trotzdem noch undenkbar. Es würde wohl der großen Mehrheit von Verantwortlichen aus dem Bereich der Unternehmenskommunikation schlaflose Nächte bescheren. Doch Best Buy versucht die Gefahr von entstehenden Krisenszenarien mit klaren Guidelines zur Nutzung von Connect zu minimieren:

What You Should Never Disclose:
The Numbers: Non-public financial or operational information. This includes strategies, forecasts and most anything with a dollar-figure attached to it. If it’s not already public information, it’s not your job to make it so.
Promotions: Internal communication regarding drive times, promotional activities or inventory allocations. Including: advance ads, drive time playbooks, holiday strategies and Retail Insider editions.
Personal Information: Never share personal information regarding other employees or customers. See the Customer Information Policies for more information.
Legal Information: Anything to do with a legal issue, legal case, or attorneys.
Anything that belongs to someone else: Let them post their own stuff; you stick to posting your own creations. This includes illegal music sharing, copyrighted publications, and all logos or other images that are trademarked by Best Buy.
Confidential Information: Do not publish, post, or release information that is considered confidential or top secret.

Was Mitarbeitern passiert, falls sie sich nicht an diese Guidelines halten, ist auch sehr klar formuliert:

Get fired (and it’s embarrassing to lose your job for something that’s so easily avoided)
Get Best Buy in legal trouble with customers or investors
Cost us the ability to get and keep customers

Klare Worte – zumindest wissen Mitarbeiter dann ganz genau was sie erwartet, wenn Sie gegen diese Guidelines verstoßen.

Es ist ein mutiges Projekt von BestBuy, das ich mir aber nicht für den deutschen Markt vorstellen kann, zumindest noch nicht. In Deutschland ist es für viele Unternehmen schon problematisch einen Corporate Weblog zu betreiben, da scheint die Initiative von BestBuy noch Lichtjahre von der deutschen Social Media Realität entfernt zu sein.

Connect ist in der Social Media Strategie von Best Buy aber nur ein Element. Für den CEO Brad Anderson ist Social Media ein zentraler Faktor in seiner gesamten Unternehmensphilosophie. Besonders in der Nutzung von Social Media zur Optimierung der internen Kommunikation der über 150.000 Mitarbeiter in über 1150 Niederlassungen setzt BestBuy internationale Benchmarks. Neben einem Mitarbeiterforum sowie einem betriebsinternen Wiki setzt BestBuy auch auf ein betriebseigenes Social Network.

Brad Anderson und seine Mitarbeiter haben anscheinend den unternehmerischen Mehrwert von Social Media erkannt. Nicht nur, dass BestBuy um den Nutzen von Social Media für die externe Kommunikation bzw. für das Marketing weiß, sondern BestBuy weiß auch wie Social Media das Innenleben eines Unternehmens verändern wird. Ich gebe daher Peter Hirshberg völlig recht:

I think Best Buy is a leading indicator what businesses will start to look like in the near future…

Hirshberg befragte Anderson auf der Zeitgeist 08 zu seiner Unternehmensphilosophie

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