Andrew Keen – zu wenig Web 2.0 macht doof

By ethority - social media intelligence team
In November 10, 2008

Was muss ich denn da auf den Seiten vom Handelsblatt lesen? Web 2.0 macht dumm!? Ist das ein Scherz? Anscheinend nicht. In dem Artikel von Werner Pluta wird der literarischen Erguss von Andrew Keen mit seiner sehr persönlichen Ansicht über die Wirkung von Social Media auf die Volksseele vorgestellt. Gegen die Auffassung von Keen wirken die jüngsten Äußerungen über Social Media von deutschen Werbern nahezu freundlich. Die Triaden von Herrn Keen hören sich ein Wenig nach Weber Aufstand und Herrenrassenfantasien an. Demnach sind Social Media der kulturelle Untergang der abendländischen Gesellschaft, oder wie Herr Keen meint, führt das Web 2.0 in ein kulturelles Chaos, eine ökonomische Katastrophe und moralischen Niedergang
Nein, Herr Keen spricht hier nicht über Weltkriege, Finanzkrisen oder biblische Plagen, sondern über Kommunikationsplattformen, die den Nutzer weltweit, fast barrierefreie Kommunikation ermöglichen.
Anscheinend zwingt nur diese entfesselte und kulturlose Kommunikation ganze Branchen in die Knie. Keen dazu:
Medienprofis, die ihre Fertigkeiten durch Bildung, harte Arbeit und Selbstdisziplin erworben hätten, würden durch den Internetkult um Amateurschreiber an den Rand gedrängt. Zeitungen, Plattenfirmen und Verlage kämpften ums Überleben, müssten Mitarbeiter entlassen oder schließen.
Auch wenn Herr Keen sich im HB Artikel historische Vergleich verbittet, finde ich diesen doch passend.
Irgendwie erinnert mich die Tendenz von Keens Äußerungen sehr wohl an den schlesischen Weberaufstand von 1844. Damals wussten die traditionellen Weber sich auch anders zu helfen und setzten zum Maschinensturm an.

Lieber Herr Keen, auch die Zeitungen, Plattenfirmen und Verlage sind kulturellen Veränderungen unterworfen. Die Webstühle und Dampflokomotiven unserer Geschichte wurden anfangs auch von Fortschrittsgegnern verteufelt. Doch zum Glück wird der menschliche und gesellschaftliche Fortschritt von einer Grundneugier gelenkt und nicht von Zauderern geprägt.
Die aktuelle Veränderung der Mediennutzung verlangt eben etwas Kreativität von allen Beteiligten und ich bin mir sicher, dass Verlage und Zeitungen mit richtigen Geschäftsmodellen auch weiterhin erfolgreich sein werden.

Am aller Schönsten ist aber das folgende Statement. Für Herrn Keen sind die neuen Helden dieser verlotterten Web 2.0 Gesellschaft die Bürger, die ihre Unwissenheit anerkennen, die den Mund halten, die die Medien nutzen, um von anderen, die besser Bescheid wissen und talentierter sind als sie selbst, gern etwas über die Welt lernen.

Bitte liebe Leser, bleibt alle doof. Bitte liebe Blogger, die Ihr keine Journalisten seid – hört das Schreiben auf. Es gibt gottgegebene Kasten oder Herrenrassen, die besser denken können als das doofe Prekariat. Einfach das glauben, was die Nachrichtenredaktionen dieser Welt von sich geben – die Wissen es eh besser. Wo kommen wir auch hin, wenn jeder sagt, was er möchte. Einfacher ist es doch, wenn alle das glauben, was Eliten sagen. Ein solches Verhalten hat ja viele Gesellschaften in der Geschichte sehr weit gebracht.

Man sollte Herrn Kenn aber nicht böse sein, schließlich war er ja auch nicht so erfolgreich mir seinen Business Ideen in diesem Bereich. Ich würde das mal unter Kategorie ‚sehr schlechter Verlierer’ verbuchen.

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