Politische Willensbildung in Social Networks

By ethority - social media intelligence team
In Juni 29, 2008

Die  großen amerikanischen TV- Networks verlegen einen Teil des politischen Willensbildungsprozesses in die Kommunikationskanäle der kollaborativen Medien. Sicherlich ist es keine Neuigkeit mehr, dass die amerikanischen Wahlkampfmanager die nutzergenerierten Webinhalte für sich entdeckt haben. Nun haben sich auch die großen US TV-Networks wie NBC und ABC der Verschiebung der Mediennutzung  eines großen Teils der US-amerikanischen Wähler angepasst. Nachdem schon ABC auf Facebook seine Applikation US Politics in der jüngeren Vergangenheit platziert hatte, nutzt NBC seit Neuestem auch das News Corp. Netzwerk MySpace mit der Kampagne decision08 zur politischen Willensbildung.

So ist die ABC Applikation auf Facebook eine Art Umfrage-Tool, kombiniert  mit einem News Feed rund um den Präsidentschaftswahlkampf in den USA. Die User haben hier die Möglichkeit andere User mit einer Frage vor die Entscheidung zu stellen, z.B. welche Gründe für sie persönlich ausschlaggebend für ihre Wahlentscheidung sind, oder ob die Waffengesetze in den USA verschärft werden sollten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Applikation des zur Walt Disney Mediengruppe gehörenden Broadcasters ABC auf der MySpace Plattform ist dagegen ein reiner News-Channel. Dieser Kanal widmet sich auch exklusiv dem US Wahlkampf. Ein besonderes Gimmick dieser Medienpräsenz ist ein dort ausgeschriebener Wettbewerb. Um diese Competition für sich zu entscheiden, müssen die MySpace User einen selbstgedrehten Film einsenden, in dem sie ihre Tauglichkeit für diesen Job unter Beweis stellen müssen.  Die beiden Gewinner dieses Wettbewerbs dürfen dann als ein ‘Citizen Journalist’  die großen Nominierungsparteitage besuchen und von dort aus berichten.

Die Medienhäuser in den USA scheinen die Zeichen der Zeit verstanden zu haben. Junge Wähler sind immer öfters online und auch immer stärker in Social Networks aktiv. Die klassischen Medienanbieter sollten neue Wege beschreiten, um junge Wähler für die Politik und politische Partizipation zu begeistern. Die großen Medienhäuser müssen sich auf die veränderte Medienkonsumption ihrer Zielgruppen einstellen, um eine ihrer  Kernaufgaben innerhalb einer demokratischen Gesellschaft wahrzunehmen. Freie Medien müssen den demokratischen Willenbildungsprozess in einer Gesellschaft mit ihren unbeeinflussten Informationen aktiv unterstützen. Werden die Medienhäuser diese Entwicklung nicht antizipieren und sich stoisch an Althergebrachtem festhalten, werden sie die exklusive Stellung als öffentlicher Meinungsbildner in einer demokratischen Gesellschaftsordnung nicht weiter für sich beanspruchen können.

Ein gutes Beispiel findet man direkt vor der eigenen Haustür. Führt man sich die Zuschaueraltersstruktur der deutschen TV- Nachrichteninstanzen in Deutschland vor Augen, wird das Problem auch in Deutschland schnell deutlich. So erreicht nach einer Studie der SevenOne Media die Tagesschau nur noch 13.6 % der 14 bis 49 jährigen Zuschauer. Die Nachrichtengrundversorgung des ZDF erreicht mit der Sendung Heute sogar nur noch 7.5% der genannten Altersgruppe.

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Die beiden großen deutschen öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten müssen sich also verstärkt um neue Strategien bemühen, um ihren Auftrag, den sie von der öffentlichen Hand erhalten haben, nachzukommen. Es wird also höchste Zeit für die großen Medienanstalten sich Strategien zu überlegen, wie man jüngeren Zielgruppen die Themen Politik und Partizipation näher bringen kann. Aktivitäten auf Social Networks können natürlich nur ein Baustein einer zwingenden Neuausrichtung  der Medienangebote sein. Wie wäre es denn beispielsweise, mit einem ZDF Wahlkampfbarometer in StudiVZ und SchülerVZ? Das  wäre doch sicherlich mal eine überlegenswerte Idee, denn nachdem die Holtzbrinck Networks sich der Open Social Initiative angeschlossen haben, wären die technischen Vorraussetzungen für solche Initiativen geschaffen.

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