Ist Google böse?

By Alexander Becker
In März 20, 2008

Denk ich an Google in der Nacht, bin ich um den Schlaf gebracht? Vielen Internauten wird mulmig bei dem Gedanken an die Marktmarkt, die Google mittlerweile im Internet erlangt hat. Die Suchmaschine kontrolliert die wichtigste Kerntechnologie- und Anwendung, wenn es um die Informationsbeschaffung im Internet geht. Dazu ist Google der größte Anbieter von zielgerichteter Werbeangebote und ein Datenbesitzer ungeahnten Ausmaßes. Welche Nutzer-Daten der Webgigant wo und wie lange gespeichert hat, ist nicht bekannt. Kritiker sehen darin eine ernste Bedrohung der Privatsphäre und eine einseitige Informationsbeschaffung. Sehen wir bestimmte Informationen nur weil Google es will? Oder versteckt die Suchmaschine sogar Nachrichten mutwillig vor den Nutzern?   
Seit längerer Zeit beschäftigt sich das Google-Watchblog  mit diesen Fragen und jetzt erreicht diese Problematik immer stärker den Netz-Mainstream. Untrügliches Zeichen dafür ist, dass erste Sachbücher erscheinen, so auch das neueste Werk „die Google-Falle“ von Gerald Reischl. Neun Monate recherchierte der Österreicher an seinem kritischen Bericht.Telepolis sprach mit Reischl über seine Erkenntnisse, es fielen dabei Wörter wie Verschwörung, Sekte etc. Der stichhaltigste Vorwurf war: „Es gibt zwei Vorfälle, die mich stutzig gemacht haben. In einem Interview mit Googles Forschungschef Peter Norvig hat mir dieser erklärt, dass sie das Suchsystem so adaptiert haben, dass bei einer Produktsuche nicht immer gleich eBay-Seiten an die ersten Stellen gereiht werden. Diese Adaptierung wurde zu einem Zeitpunkt aktiv, als es wegen Checkout-Paypal einen kräftigen Streit zwischen eBay und Google gegeben hat. Zufall, oder? Kein Zufall ist wohl, dass man beim Begriff "turkey" zehn Monate Seiten über die Türkei angezeigt bekommt und zwei Monate Truthahnrezepte nach vorne gereiht werden. Google ist sich der Verantwortung offensichtlich nicht bewusst. Eindeutiger Beweis ist der Doubleclick-Kauf, der von der EU vergangene Woche abgesegnet wurde. Eine Tochterfirma von Doubleclick, die jetzt auch Google gehört, ist Performics, ein SEO, ein Suchmaschinen-Optimierer, der Kunden Tricks liefert, wie man eine Suchmaschine überlisten kann, um weit nach oben gereiht zu werden. Das bedeutet, Google gibt Tipps, wie man Google überlistet. Dass darf wohl nicht sein, oder?“Sollte sein Buch floppen, so hat der Hobby-Verschwörungstheoretiker gleich vorgesorgt und einen Grund für den Misserfolg parat: „Ich rechne mit untergriffigen Postings, Reischl-Bashing und heftigem – teils auch gesteuertem – Gegenwind. Viele werden sich zum Buch äußern, noch lange bevor sie wissen, was drinnen steht. Ich habe ja auch im Vorwort geschrieben: Wehe dem, der sich etwas gegen das derzeit beliebteste Internet-Unternehmen der Welt zu sagen bzw. zu schreiben traut. Der bekommt den Ärger in den Foren des Web zu spüren. Ich selbst war zu Beginn der Recherche skeptisch. Vor allem Esther Dyson, die renommierte IT-Beraterin, hat mich einmal verunsichert, weil sie gemeint hat, dass Facebook viel gefährlicher sei. Aber wenn man all die Fakten kombiniert, muss man zwangsläufig zum Ergebnis kommen, dass Google gefährlich sein kann.“

 

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