Zoomer: Nachrichten 2.0

By Alexander Becker
In Februar 18, 2008

 zoomer.png

Das News-Portal Zoomer.de will die neue Nachrichten-Anlaufstelle Nr. 1 für Leser unter 35 Jahren werden, ein seltsamer Anspruch, aber so wird er formuliert. Nach der hauseigenen Logik des Zoomer-Mutterkonzerns Holtzbrinck ist der typische Spiegel.de-Leser über 40. Die Vermutung liegt da nahe, dass die StudiVZ-Besitzer mal wieder ihre Zielgruppe komplett falsch einschätzen, denn auch ohne große Marktforschungsdaten wage ich die Prognose, dass in der deutsche Studentenschaft Spiegel.de die beliebteste Nachrichtenseite ist. Wie Zoomer funktioniert erklärt DWDL: „Die Topthemen werden nach einem Index sortiert, der sich aus Aktualität und Interesse zusammensetzt. Letzteres erklärt Zoomer.de: "Je stärker eine Story geklickt wird, desto mehr grüne Punkte werden vergeben." Und weiter: "Je mehr Ihr Euch für ein Topthema interessiert, desto intensiver wird das Thema von der Redaktion weiterverfolgt." Der Klick in ein Thema wird mit dem Interesse an ihm gleichgesetzt. Eine Gleichung die verblüffend einfach und logisch erscheint und doch irgendwie die Beklemmung auslöst ist, dass die Personalisierung und Automatisierung des Web 2.0, die inzwischen auf immer mehr Websites zu finden ist, den Wissenshorizont eher beschränkt als erweitert.“
Im Gegensatz zur kritischen DWDL-Sichtweise ist Peter Turi  eher begeistert: „Vieles an Zoomer.de ist gewöhnungsbedürftig, manches nur anders, aber nicht besser. Gut gefällt die optische Fokussierung auf wenige, prominent platzierte Themen und die forcierte Integration von Leser-Wissen und Nutzer-Engagement. Der verstärkte Einsatz von Videos ist zeitgemäß. Entscheidend dürfte sein, dass Holtzbrinck mit StudiVZ und SchülerVZ schon heute den Draht zur jungen Generation hat. Jetzt kommt alles darauf an, ob es gelingt, die Generation StudiVZ zu Zoomer, dem NachrichtenVZ, zu locken.“ Don Alphonso dagegen fällt ein vernichtendes Urteil über Zoomer: „Kurz, meines Erachtens basiert Zoomer.de nicht nur auf falschen Annahmen zu Intelligenz und Partizipationsbereitschaft der Nutzer sowie wenig Erfahrung mit Social Spamming, sondern wird als Klickibuntiadabeiportal ein weiteres Debakel auf Holtzbrincks Weg gegen die Mauer des Internets.“

Leave A Comment