Social Networks – eine geschlossene Gesellschaft

By ethority - social media intelligence team
In Januar 22, 2008

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Wer die Wahl hat, der hat auch die Qual. Das Social Networking wird immer populärer. Sei es Xing, Studivz oder Facebook, immer mehr User vernetzen ihre Profile mittels Internet. Doch wer kennt das Problem nicht, dass man sich gerade in mühsamer Arbeit sein Profil und seine Kontakte aufgebaut hat und dann das nächste Netzwerk um die Ecke biegt, welches mit Daten gefüttert werden möchte. Man mag sich dabei gerne an den guten alten Sisyphos erinnern, ist man gerade mit dem einen Netzwerk fertig, verlangt das nächste Social Network mit persönlichen Daten gefüttert zu werden. Ein großes Manko der Social Networks ist es, dass der User nicht in der Lage ist seine Kontakte und Daten einfach ins nächste Netzwerk zu importieren. Fachmännisch ausgedrückt sind Social Networks „walled gardens“. Falls man seine Kontakte und Daten in einen anderen Garten bzw. ein anderes Netzwerk stellen möchte, muss jeder einzelne Kontakt auch in das andere Netzwerk wechseln und die Datensätze müssen dort neu eingepflegt werden. Dieses wird für den User sehr aufwendig und es bleibt mühsam, Kontakte getrennt auf allen Netzwerken zu pflegen.

Nun scheint es aber, als ob die Anbieter der diversen Netzwerke dieses Problem erkannt haben und auf dem Weg sind Lösungen zu finden.

OpenSocial oder DataPortability heißen zwei Initiativen die Google, Facebook, Xing & Co. ins Leben gerufen haben. Ziel dieser Kooperationen ist es, sich auf einen Standard festzulegen, der es dem einzelnen User erlaubt seine Kontakte und hinterlegten Daten netzwerkübergreifend zu nutzen. Grundsätzlich soll die vorliegende Insellösung überwunden und Schnittstellen geschaffen werden.  Doch muss man sich hier fragen, ob solche Initiativen nicht eher Lippenbekenntnisse sind. Die Grundlage und gleichzeitig das größte Kapital jedes Netzwerks ist die Exklusivität des sozialen Geflechts. Diese Exklusivität von Daten wäre aber, bei der Möglichkeit Datensätze einfach von einem in das andere Netwerk zu laden, nicht mehr gegeben. Damit hätten die Betreiber der diversen Netzwerke ihren Unique Selling Point für potentielle Kooperationspartner bzw. Geldgeber verloren. Rein objektiv betrachtet, wäre ein universeller Standard für die Betreiber rein betriebswirtschaftlich wenig sinnvoll.

Wie ernst den Betreiber die Exklusivität ihres Netzwerks ist, bekam der prominente Geek- Blogger  Robert Scoble zu spüren.  Als Scoble versuchte Kontakte von Facebook mittels eines Skripts in ein anderes Netzwerk zu importieren, schrillten bei Facebook die Alarmglocken und Scobles Account wurde darauf gesperrt. Doch Facebook war so nett und schickte Scobles noch folgende Mail, die sein vorläufiges Hausverbot in Facebook wie folgt begründete:

Hello,

Our systems indicate that you’ve been highly active on Facebook lately and viewing pages at a quick enough rate that we suspect you may be running an automated script. This kind of Activity would be a violation of our Terms of Use and potentially of federal and state laws.

As a result, your account has been disabled. Please reply to this email with a description of your recent activity on Facebook. In addition, please confirm with us that in the future you will not scrape or otherwise attempt to obtain in any manner information from our website except as permitted by our Terms of Use, and that you will immediately delete and not use in any manner any such information you may have previously obtained.

We reserve the right to take any appropriate action in connection with any activities that violate our Terms of Use and/or applicable laws, including termination of your account and pursuit of legal remedies.

Please reply to this email.

Thank,


Facebook Customer Support

Sicherlich lässt sich Scobles Umzugsunternehmung diskutieren. Denn einfach 5000 Adressen in ein anderes Netzwerk zu pumpen ist nicht per se als unkritisch einzustufen. Doch lässt die Reaktion von Facebook  vermuten,  welchen Stellenwert die Exklusivität für Social Networks einnimmt.

Schließlich wurde der Ausschluss von Scobles von Facebook wieder aufgehoben. Nach heftigen Reaktionen in der Blogosphäre über den Rauswurf des Bloggers, ruderte Facebook zurück und öffnete Scobles Account wieder. Die Betreiber des Netzwerks machten sich wohl ernsthafte Sorgen bezüglich ihrer Online Reputation.

Doch erzeugte dieses Thema noch weitere große Diskussionen im Netz, besonders das Thema Datenschutz spielte dabei eine bedeutende Rolle. Der zentrale Punkt in diesem Diskurs liegt in den unterschiedlichen Rechtsauffassungen der neuen und der alten Welt. So scheint schon allein die rechtliche Umsetzung, die von vielen Usern herbeigesehnten Datentransfermöglichkeiten, auf tönernen Füssen zu stehen.

Dennis Howlett von ZDNet  brachte es auf seinem Blog auf den Punkt:

In all the discussions around this topic, I have yet to see cogent description about how this is going to work given the data privacy laws that exist around the world. Once again, we have a US centric view of the so-called flat earth that fails to recognize there are real laws with real force that will almost certainly kill this initiative stone dead.

Es scheint also, als ob die User so schnell keine Daten zwischen ihren Netzwerkprofilen importieren könnten. Allein die Gesetzeslagen in den vers
chiedenen Ländern sind so unterschiedlich, dass man nur schwerlich, allein aus datenschutzrechtlicher Sicht eine akzeptable Lösung finden könnte.

>>scobleizer

>>ZDNet Blogs 

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