Januar 31st, 2010 by ethority

Geo-Spam für den King of Currywurst

Ungeklärte Datenprobleme bei Geoweb-Spielen

von Anatol Locker

“Foursquare” und “Gowalla” heissen die neuen Geoweb-Spiele. Die Spieler verraten, wo sie gerade sind. Je öfter sie das tun, desto mehr Punkte sammeln sie. In Sachen Datenschutz bleiben aber viele Punkte offen. Und sogar Spam könnte lokal werden.

Michael Praetorius muss noch in der Aroma Kaffeebar “einchecken”. Der Münchner Medienjournalist zückt sein Handy, startet eine App, tippt zwei, dreimal auf den Touchscreen – schon hat er seinen “Foursquare”-Freunden verraten, wo er sich gerade aufhält.

“Foursquare” und “Gowalla” sind der neue Trend: Eine Mischung aus Freunde-Finder, sozialem Stadtplan und Spiel, das aktive Nutzer mit Punkten und virtuellen Auszeichnungen belohnt. Möglich machen es Smartphones: Neue Modelle besitzen einen GPS-Chip, der den Standort seines Nutzers verrät.

Die Position des Nutzers

Wer sich am häufigsten an der Frittenbude anmeldet, wird zum “Mayor” (Bürgermeister) des Treffpunktes – und bei seinen Freunden natürlich zum “King of Currywurst”. Michael Praetorius sieht das so: “Man hinterlässt quasi eine Duftmarke. Und wer nach mir eincheckt, kann Kommentare lesen, die ich über diesen Ort hinterlasse.” Das kann ein Tipp auf der Speisekarte sein, ein Hinweis auf den Service oder auch die Aufforderung, schnell vorbeizukommen.

Der Trend schwappte aus den USA nach Deutschland. Benedikt Köhler, Experte für Social Networks beim Marketing-Unternehmen “Ethority” meint dazu: “Foursquare dürfte kaum 200.000 Nutzer weltweit besitzen. Aber diese Nutzer sind sehr aktiv und haben bereite mehrere Millionen mal ihren Aufenthaltsort als Checkin gesendet.” Dass Geo-Apps ein vorübergehendes Phänomen sind, glaubt er nicht. “Der Trend in Richtung Geoweb wird uns längerfristig beschäftigen. Nachdem uns Social-Networking-Plattformen gezeigt haben, wie wir das Internet als soziales Geflecht neu entdecken können, verknüpfen Geoanwendungen das Internet mit unserer physischen Umwelt.”

Gefahr von “Geo-Spam”

“Fourquare” und “Gowalla” verfolgen natürlich handfeste kommerzielle Interessen: Sie werten die Daten aus und spielen dem User lokale Anzeigeninformationen aufs Handy. “Hier sehe ich eine große Markting-Chance für kleine Unternehmen”, findet Praetorius. “Andererseits könne natürlich “Geo-Spam”, also unerwünschte Nachrichten, zunehmen.” Neben Geo-Spam, potentiellem Stalking lassen sich natürlich auch Bewegungsprofile erstellen. Und weil amerikanische AGBs gelten, haben potentiell auch amerikanische Behörden Zugang zu allen Nutzerdaten.

Dass so viele Nutzer freiwillig ihren Aufenthaltsort verraten, zeigt deutlich, wie sich die Einstellungen zum Datenschutz verändert haben. Benedikt Köhler erklärt: “Durch den täglichen Umgang mit Plattformen wie StudiVZ, Facebook oder Twitter haben Internetnutzer ‘gelernt’, mehr Informationen über sich preiszugeben, als man sich noch vor wenigen Jahren vorstellen konnte. Das größte Risiko sehe ich darin, dass Personen den eigenen Aufenthaltsort sehen, denen man diese Information nicht geben möchte. Auf der anderen Seite können diese Anwendungen tatsächlich dazu führen, dass man Städte auf eine neue, soziale Weise erlebt.”

Quelle: heute.de